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Fixed Income-Ausblick 2023: Der flexible Ansatz für volatile Märkte

Invesco flexible approach for navigating market uncertainty paul jackson

Mit Beiträgen von Paul Jackson und den Redaktions- und Anlageteams von Invesco

Kurz zusammengefasst
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Überall in Europa sehen sich die Verbraucher mit einer höheren Inflation konfrontiert. Unterdessen müssen sich Anleger mit einem komplexen gesamtwirtschaftlichen Umfeld auseinandersetzen, welches durch geopolitische Faktoren zusätzlich verkompliziert wird.

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Sollte die Inflation – wie in unserem Basisszenario angenommen – ihren Höhepunkt inzwischen erreicht haben, bieten die Obligationmärkte verschiedene interessante Anlagemöglichkeiten für Investoren. In unserer Modell-Asset-Allokation bevorzugen wir Hochzinsobligationen und Schwellenmärkte.

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Im alternativen Szenario einer noch für eine längere Zeit erhöhten Inflation hätten wir eine Präferenz für defensive Anlagen wie Cash und Staatsobligationen. Unser Ausblick für Investment-Grade-Obligationen ist in beiden Szenarien positiv.

Dieser Abschnitt wurde am 28. März 2023 hinzugefügt
als Reaktion auf Marktereignisse

Vorwort: Hat die Bankenkrise die Aussichten für Fixed Income verändert? 

Wir haben diesen Ausblick für Obligationeninvestments erstmals Ende 2022 verfasst, nach einem Jahr, das von Inflation, aggressiven Zinserhöhungen der Zentralbanken und geopolitischen Turbulenzen geprägt war.  

Wir haben keine Kristallkugel, aber als wir in das Jahr 2023 blickten, war deutlich, dass der Ausblick für das kommende Jahr von der Inflation abhängen würde. Hatte sie ihren Höhepunkt erreicht? Und wenn ja, wann würden die Zentralbanken damit beginnen, ihre Zinserhöhungen zu verlangsamen, zu pausieren und schließlich zu beenden. 

Wie wir im Folgenden näher erläutern, ging unser Basisszenario davon aus, dass die Inflation wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht hat und dass eine Pause bei der Straffung der Zentralbankpolitik in der ersten Jahreshälfte zu einer wirtschaftlichen Erholung beitragen würde.  

Wir haben auch ein alternatives Szenario in Betracht gezogen. In diesem Fall würden die Zentralbanken die Zinsen noch länger anheben, was die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession erhöhen würde.  

Wir befinden uns nun am Ende des ersten Quartals des Jahres 2023. Und wenn die Anleger auf ein langweiliges Jahr gehofft hatten, um die Dramatik des Jahres 2022 auszugleichen, wurden sie durch die jüngsten Ereignisse wohl enttäuscht. 

Der Ausfall der Silicon Valley Bank (SVB) im März wirkte sich auf die Märkte aus, und es entstanden Bedenken hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf den Finanzsektor und die globale Geldpolitik. Auf der anderen Seite des Atlantiks wurden die Probleme der Credit Suisse immer größer. Die Schweizer Aufsichtsbehörde und die Zentralbank handelten schnell und vermittelten eine Übernahme der Credit Suisse durch die UBS.  

Einige der Herausforderungen im Bankensektor verdeutlichen den politischen Drahtseilakt, dem sich die Zentralbanken gegenübersehen: Sie müssen sich sowohl um die Finanzstabilität als auch um die Inflation kümmern. Doch was bedeutet all dies für unseren Ausblick? Sind unsere Szenarien veraltet? Hat sich unsere Haltung geändert? 

Kurz gesagt: noch nicht. 

Zwischen Umsetzung und Wirkung der Maßnahmen liegt in der Regel eine beträchtliche Zeitspanne, was bedeutet, dass wir erst viel später (in der Regel in 12 bis 18 Monaten) wissen werden, ob die Zentralbanken zu streng oder nicht streng genug agieren. 

Eine weitere Straffung birgt das Risiko einer früheren und möglicherweise tieferen Rezession. Wenn die Zentralbanken die Zinssätze jedoch nicht anheben, könnte die künftige Inflationsmoderation nicht zufriedenstellend genug sein. Dies wiederum würde die Wiederaufnahme eines aggressiveren und/oder längeren Straffungszyklus erzwingen. Ein längerer Straffungszyklus würde den Druck auf den Bankensektor erhöhen und das Rezessionsrisiko steigern, wodurch sich die Zeit bis zum Beginn einer wirtschaftlichen Erholung verlängern würde. 

Es ist unmöglich, die Antwort heute zu kennen. Und die Vertreter der Zentralbanken werden ihre Einschätzungen auf der Grundlage eingehender Daten vornehmen, die politische Entscheidungen von vor einiger Zeit widerspiegeln. Sie sind wie Chirurgen, die mit einer Augenbinde operieren.  

Was bedeutet das alles für die Anleger? 

Wir glauben, dass Flexibilität der Schlüssel ist. Deshalb bieten wir unseren Kunden eine breite Palette an festverzinslichen Optionen, sei es in unserem Basisszenario oder in unserem Alternativszenario.  

Da unsere Analyse des Konjunkturzyklus darauf hindeutet, dass wir uns jetzt in einer Schrumpfungsphase befinden, haben wir eine defensivere Haltung eingenommen. Wir sehen jedoch nach wie vor Chancen für Anleger und bleiben in Investment-Grade-Obligationen und Hochzinsobligationen übergewichtet.

Die folgenden Abschnitte enthalten
Ansichten ab Februar 2023

Wo stehen wir und wie sind wir hierher gekommen?

Im Jahr 2022 sind die Preise auf breiter Basis gestiegen. Am Jahresende kostete eine Packung Toastbrot in Großbritannien im Schnitt 1,30 GBP, verglichen mit rund 1,00 GBP ein Jahr zuvori.1 Auf der anderen Seite des Ärmelkanals mussten die französischen Verbraucher für ein Rinder-Hüftsteak 6% mehr zahlen.2 In Deutschland verteuerte sich Milch um fast 35%.3 In Italien kostete ein Essen im Restaurant fast 8% mehr als ein Jahr zuvor.4 Auf der iberischen Halbinsel musste für spanischen Wein knapp 9,3% mehr bezahlt werden.5 In den Niederlanden stiegen die Preise für Blumen um etwa 7%6 und weiter im Norden mussten die Schweden 16% mehr für ein ein Stück Gebäck zahlen.7

Wie diese Daten zeigen, kam es im vergangenen Jahr zu einer unerwartet starken Inflation, auf die die meisten Zentralbanken mit einer abrupten Abkehr von ihrer lockeren Geldpolitik reagierten, die den Finanzmärkten zu einer kräftigen Erholung verholfen hatte. Der russische Einmarsch in die Ukraine verschärfte die Lage nochmals, indem er zu einem stärkeren Anstieg der Rohstoffpreise führte, als ansonsten zu erwarten gewesen wäre. 

Gleichzeitig machte Wladimir Putins Krieg Europas Abhängigkeit von russischem Öl und Gas schmerzhaft deutlich. Alle europäischen Länder müssen ihren Energiemix überdenken und dabei sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Anforderungen der Energiewende im Blick haben. Der Konflikt in der Ukraine hat sich in vielerlei Hinsicht als Stresstest für ESG-Anlagen erwiesen (Anlagestrategien, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren berücksichtigen).  

Für die meisten Anlageklassen war das vergangene Jahr ein hartes Jahr. Festverzinsliche Anlagen bilden da keine Ausnahme. Der starke Anstieg der Inflation war das eine; hinzukam, dass die meisten Anlageklassen mit sehr hohen Bewertungen ins Jahr 2022 gestartet waren – eine Folge der extrem akkommodierenden Fiskal- und Geldpolitik während der Pandemie. 

Unserer Ansicht nach sind die hohe Inflation und die höheren Zinsen, mit denen die Zentralbanken auf diese reagiert haben, ein Rezept für eine Wachstumsabschwächung. Die Tatsache, dass wir mit einer weiteren Verlangsamung der Weltwirtschaft rechnen, könnte dafür sprechen, dass vor uns eine mehrmonatige Kontraktionsphase liegt. Das würde bedeuten, dass das Wachstum unter Trend bleibt und weiter nachlässt und ein Rezessionsrisiko besteht. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds sehen wir aktuell potenziell interessante Renditechancen an den Obligationmärkten. 

Schnelle Lösungen: unsere Szenarien für festverzinsliche Wertpapiere.

Wir betrachten zwei mögliche Szenarien, die Ihnen helfen könnten, durch volatile Märkte zu navigieren und potenzielle Chancen zu bewerten.

  • Unser Basisszenario ist das einer Disinflation9. In diesem Szenario würden wir im Vergleich zu einer neutralen Allokation stärker ins Risiko gehen. Wir erwarten eine erneute Wachstumsbeschleunigung, bei höheren Obligationrenditen, einer noch restriktiveren Geldpolitik und einer weltweit zunehmenden Risikobereitschaft.

    Wie wäre der Ausblick für dieObligationmärkte im Basisszenario?

    Im hochinflationären Umfeld der letzten rund zwölf Monate haben die Zentralbanken die Geldpolitik gestrafft (die Zinsen erhöht), um die Inflation einzudämmen. Eine niedrigere Inflation nimmt den Druck von den Zentralbanken, die Geldpolitik zu straffen. Die Obligationenkurse steigen, wenn die Zinsen sinken, was in unserem Basisszenario der Disinflation der Fall wäre.

    Außerdem reduziert die Inflation den Wert der Kuponverzinsung von Obligationen. Daher gilt: Je niedriger die Inflation, desto geringer die negativen Auswirkungen auf den realen Wert der Obligationenkupons. Risikoreichere Anlagen (wie Hochzins- und Schwellenländerobligationen) werden sich wahrscheinlich besser entwickeln als bonitätsstarke Kreditanlagen. In diesem Szenario würden wir davon ausgehen, dass festverzinsliche Wertpapiere besser abschneiden als variabel verzinsliche und lange Laufzeiten besser als kurze.

Die beiden Szenarien (Disinflation und anhaltende Inflation) sowie die jeweils bevorzugten Anlagewerte sind in Abbildung 1 skizziert.

Im Obligationenbereich würde unser Basisszenario für eine Präferenz für risikoreichere Anlagen wie höher verzinsliche Unternehmensobligationen und Schwellenländeranlagen sprechen. Im alternativen Szenario einer anhaltend hohen Inflation würden wir dagegen eher auf defensive Anlageklassen wie Cash und Staatsobligationen setzen – wobei wir Investment-Grade (IG)-Obligationen in beiden Szenarien für interessant halten.   

Abb. 1. Zwei Szenarien für 2023 und von uns bevorzugte Anlageklassen

  Basisszenario  Alternativszenario
Inflationstrend Disinflation Anhaltende Inflation
Zentralbankmassnahmen Zinshöchststand wird Mitte 2023 erreicht Anhaltender Anstieg der Zinsen im Jahresverlauf 2023
Zinsstrukturkurven Weitere Inversion mit Trendumkehr (steigende Zinsen am kurzen Ende, sinkende Zinsen am langen Ende) Weitere Inversion (Zinsen steigen entlang der Kurve, aber stärker am kürzeren Ende)
Globales Wachstum Moderates Risiko einer milden Rezession  Erhöhtes Risiko einer tiefen Rezession
Marktregime Von Abschwächung zu Erholung bis Ende Q1 2023 Situation der Abschwächung dauert an
Bevorzugte Währungen

Von USD zu CAD

EUR         AUD

GBP         EM

USD

EUR

GBP

Bevorzuge Vermögenswerte

Von Cash zu Hochzinsobligationen

Staatsobligationen      Immobilien

IG-Obligationen          Aktien

                                     Industriemetalle

                                     Gold

Cash

Staatsobligationen

IG-Obligationen

Quelle: Invesco. 

Obligationstrategien im Jahr 2023

Unter normalen Umständen gehören defensive festverzinsliche Anlagen (Staatsobligationen und IG-Unternehmensobligationen) in Zeiten wie diesen in der Regel zu den Anlagen mit der besten Performance (basierend auf der historischen Performance – siehe Abbildung 2). Allerdings stellen wir fest, dass die Wertentwicklung von Finanzanlagen im Jahr 2022 nicht dem für Kontraktionsphasen üblichen Muster entsprach, da zum Beispiel Obligationen so schlecht abschnitten wie Aktien. 

Die jüngsten Marktentwicklungen signalisieren, dass die Finanzmärkte kurz vor dem Eintritt in ein Erholungsregime stehen könnten, in dem risikoreichere Anlagen (wie Hochzinsobligationen) besser laufen. Auch wenn ein Wirtschaftsabschwung mit einer höheren Volatilität und Verunsicherung der Märkte verbunden sein könnte, vermuten wir, dass sich die Wirtschaft bereits am Ende des ersten Quartals 2023 in der Erholungsphase befinden könnte.

Die Märkte scheinen sich auf ein Ende des Straffungszyklus der US-Notenbank (Fed) einzustellen und damit zu rechnen, dass die Zinsen Mitte 2023 ihren Höchststand erreichen. Wir teilen diese Einschätzung.

Abb. 2. Historische Überrenditen von US-Anlagen während des Konjunkturzyklus

Hinweise: Die angegebenen Indexrenditen basieren zum Teil auf Rückrechnungen. Tatsächliche oder auf Rückrechnungen basierende Renditeangaben sind keine Garantie für die zukünftige Performance. Annualisierte monatliche Renditen von Januar 1970 bis Dezember 2021 oder seit Auflegung der Anlageklasse, sofern dies zu einem späteren Zeitpunkt erfolgte. Aktuellste verfügbare Daten anhand der jüngsten Analyse. Die Überrenditen von Anlageklassen sind wie folgt definiert: Aktien = MSCI ACWI - US-Dreimonats-Schatzwechsel (T-Bills), High Yield = Bloomberg Barclays HY - US-Dreimonats-Schatzwechsel, Bank loans = Credit Suisse Leveraged Loan Index - US-Dreimonats-Schatzwechsel, Investment Grade = Bloomberg Barclays US Corporate - US-Dreimonats-Schatzwechsel, Government bonds = FTSE GBI US Treasury 7-10y - US-Dreimonats-Schatzwechsel. Nur zur Illustration. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den Anhängen. Quellen: Von Invesco Investment Solutions entwickeltes globales Konjunkturzyklus-Modell und Bloomberg L.P. 

  • In den USA dürften Obligationen mit langen Laufzeiten das beste Ertragspotenzial bieten und wir bevorzugen Unternehmensobligationen (IG und HY) gegenüber Staatsobligationen.

  • In Großbritannien halten wir es für wahrscheinlich, dass lang laufende Obligationen die höchsten Renditen generieren werden. Wir haben keine Präferenz für Unternehmens- oder Staatsobligationen (das höhere Rezessionsrisiko dämpft den Ausblick für Kreditanlagen im Vergleich zu den USA).

  • In Europa dürften Anleihen mit langer Duration die höchsten Renditen abwerfen. Wie in Großbritannien haben wir auch hier keine Präferenz für Unternehmens- oder Staatsobligationen (das höhere Rezessionsrisiko dämpft den Ausblick für Kreditanlagen im Vergleich zu den USA).

  • Nach einer relativ guten Performance im Jahr 2022 erwarten wir, dass chinesische Obligationen im Jahr 2023 schlechter abschneiden werden als ihre Pendants in den Industrieländern. Wir bevorzugen Instrumente mit kurzer Duration. Wir haben eine leichte Präferenz für Unternehmensobligationen, die vor allem in den höheren Renditen begründet ist.

Wohin bewegt sich die Zinskurve?

In unserem Basisszenario geht der Markt davon aus, dass die Zentralbankzinsen weiter steigen werden, was zu immer höheren potenziellen Cash-Renditen und möglicherweise zu einer weiteren Inversion der Renditekurven führen wird. Wie Abbildung 3 zeigt, strafft die Fed ihre Geldpolitik normalerweise, bis die Arbeitslosigkeit ihren Tiefpunkt erreicht. Da die Arbeitslosigkeit jedoch bereits extrem niedrig war, als die Fed mit dem Straffungszyklus begann (und die Inflation dementsprechend hoch ist), wird die Fed möglicherweise sichergehen wollen, dass die Arbeitslosigkeit steigt, bevor sie ihre Zinserhöhungen beendet. Normalerweise invertiert die Renditekurve (10J-2J), bis die Arbeitslosigkeit ihren Tiefpunkt erreicht (siehe Abbildung 3). Wenn sich die Arbeitslosigkeit ihrem Tiefpunkt nähert (was unserer Ansicht nach der Fall ist), würden wir normalerweise davon ausgehen, dass die Zinskurve künftig wieder steiler wird (außer am sehr kurzen Ende, zum Beispiel im Drei-Monats-Segment). Selbst wenn die Renditen am kurzen Ende stärker zurückgehen als am langen Ende, sollte der Durationseffekt für Langläufer und damit für eine Verlängerung der Duration sprechen. 

Abb. 3. US-Arbeitslosigkeit, Zinsstrukturkurve und Fed-Straffungszyklen

Hinweis:  Vergangenheitswerte sind keine Garantie für die Wertentwicklung in der Zukunft. Monatliche Daten von September 1986 bis November 2022 (Stand 30. November 2022). IG- und HY-Spreads werden berechnet, indem die Rückzahlungsrendite des ICE BofA US Treasury Index von den Rückzahlungsrenditen des ICE BofA US Corporate Index bzw. des ICE BofA US High Yield Index abgezogen wird. Die gestrichelten Linien zeigen die durchschnittlichen Spreads über den gesamten Betrachtungszeitraum. Quelle: ICE BofA, Refinitiv Datastream und Invesco 

Was für High-Yield- und Investment-Grade-Obligationen spricht

In unserem Basisszenario bevorzugen wir jetzt HY- und IG-Unternehmensobligationen gegenüber Staatsobligationen. In unserem Alternativszenario hätten wir eine Präferenz für Staatsobligationen und IG-Unternehmensobligationen.

Bei der Betrachtung der Spreads stellen wir fest, dass die Credit Spreads in den USA im Jahr 2022 zunächst weiter geworden sind und sich ihrer historischen Norm angenähert, diese aber noch nicht erreicht haben (siehe Abbildung 4). Im Zuge der wirtschaftlichen Abschwächung könnten sich die Credit Spreads noch weiter ausweiten. Allerdings haben sie sich zuletzt etwas verengt, da die Märkte begonnen haben, ein baldiges Ende der Zinsstraffung mit anschliessender Erholung der Wirtschaft einzupreisen. Selbst bei einer leichten Ausweitung dieser Spreads würden unsere Projektionen für 2023 immer noch für höhere Gesamtrenditen aus Kreditanlagen als aus Staatsobligationen sprechen. 

Abb. 4. US Credit Spreads und US-Staatsobligationrenditen (%)

Hinweis: Vergangenheitswerte sind keine Garantie für die Wertentwicklung in der Zukunft. Monatliche Daten von September 1986 bis November 2022 (Stand 30. November 2022). IG- und HY-Spreads werden berechnet, indem die Rückzahlungsrendite des ICE BofA US Treasury Index von den Rückzahlungsrenditen des ICE BofA US Corporate Index bzw. des ICE BofA US High Yield Index abgezogen wird. Die gestrichelten Linien zeigen die durchschnittlichen Spreads über den gesamten Betrachtungszeitraum. Quelle: ICE BofA, Refinitiv Datastream und Invesco 

Obligationen in Emerging Markets

Noch besser ist, dass die Spreads für Schwellenländerobligationen grosszügiger als üblich ausfallen. Wie Abbildung 5 zeigt, ist der Renditeabstand zwischen auf US-Dollar lautenden Staatsobligationen der Schwellenländer und US-Staatsobligationen grösser als normal (d.h. ausserhalb von Ausnahmezeiten wie der globalen Finanzkrise oder der Corona-Rezession). Unserer Ansicht nach sollten EM-Anlagen von der US-Dollar-Abwertung, mit der wir 2023 rechnen, profitieren. Da wir mit einer Verengung dieser Spreads rechnen, ist unser Ausblick für Schwellenländerobligationen besser als für ihre Industrieländer-Pendants. Angesichts der erwarteten Abwertung des US-Dollars dürften Lokalwährungsobligationen der Schwellenländer zudem besser abschneiden als Hartwährungsobligationen, wenn auch bei einer höheren Volatilität. 

Abb. 5. Renditespread von Schwellenländerobligationen in USD gegenüber US-Staatsobligationen (%)

Hinweis: Vergangenheitswerte sind keine Garantie für die Wertentwicklung in der Zukunft. Monatliche Daten von Februar 2003 bis November 2022 (Stand: 30. November 2022). Die Abbildung zeigt die Differenz zwischen der Yield-to-Worst des Bloomberg EM USD 7-10 Year Index und der Yield-to-Maturity der 10-jährigen US-Staatsobligationrendite. Quelle: Bloomberg, Refinitiv Datastream und Invesco

Obligationen und ESG: die Chancen

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat enorme Auswirkungen auf den Energiemix der europäischen Staaten, von denen viele bislang sehr abhängig von günstiger russischer Energie waren. Daher ist die Energiewende auf der Agenda der Regierungen in der Europäischen Union und Grossbritannien kurzfristig durch die Versorgungssicherheit verdrängt worden. In der Folge hatten Öl- und Gasaktien 2022 ein Rekordjahr9.

Normalerweise sollte ESG kein zyklisches Phänomen sein. Das fehlende Exposure in Energieaktien führt jedoch zu einer gewissen Zyklizität. Die Disinflationsthese in unserem Basisszenario gründet auch auf der Erwartung, dass die Energiepreise sinken, wobei der Gaspreis im Jahr 2023 am ehesten fallen wird. Das dürfte auf die Kurse der Energieaktien drücken, wodurch ESG-Indizes eine überdurchschnittliche Performance erzielen könnten.

Im Obligationenbereich sollten risikoreichere Anlagen (wie High-Yield- und EM-Obligationen) von einer Disinflation profitieren. In Bezug auf ESG spricht das für eine stärkere Betonung des Risikomanagements für einen besseren Schutz gegen Abwärtsrisiken. In Anbetracht der möglicherweise drohenden Rezession wird ein gutes Management von grösster Bedeutung sein.

Es gibt zwei Gründe, warum Obligationen und ESG im Jahr 2023 zulegen könnten. Erstens bieten Obligationen ein Exposure in Ländern und Unternehmen. Die Länder differenzieren sich zunehmend durch ihre Umweltpolitik, z. B. in den Bereichen Klima und Biodiversität. Das eröffnet aktiven Obligationenmanagern die Möglichkeit, Kapital gezielt in Länder zu lenken, die in dieser Hinsicht vorbildlich sind. Darüber hinaus ermöglichen Obligationen eine spezifische Zweckbindung für die Erlösverwendung mit gesellschaftlichem oder ökologischem Nutzen. Dadurch erhalten Anleger, die derartige Ergebnisse anstreben, ein zielgerichteteres Exposure als mit Aktien.

Der zweite wichtige Punkt ist, dass wir ein grösseres Interesse an Obligationen-ETFs mit ESG-Schwerpunkt sehen, da die aktuell verfügbaren Produkte grösstenteils aktienorientiert sind. Ein Marktschwerpunkt für 2023 ist zum Beispiel die Entwicklung von ESG-Indizes für Obligationen-ETFs, die Anlegern ein breites Marktengagement innerhalb eines ESG-Konstrukts ermöglichen.

Cathrine de Coninck-Lopez, Global Head of ESG

Warum die ‚Disinflation‘ unser Basisszenario ist

Der Ausblick für Obligationen ist untrennbar mit der Aussicht auf Wachstum oder Rezession verbunden. Nach der kräftigen Erholung von der tiefen globalen Rezession im Jahr 2020 scheint die Wachstumsdynamik nachgelassen zu haben. Neben dem verarbeitenden Gewerbe zeigt sich diese Schwäche in vielen Ländern auch an den Wohnungsmärkten und im Wohnungsbau (z. B. in den USA). Insofern, als die Inflation die realen Einkommen schrumpfen lässt, halten wir eine Rezession in Europa für am wahrscheinlichsten. Grund dafür sind die hohen Gaspreise in der Region – eine Folge der begrenzten Lieferungen aus Russland (und der Suche der Europäer nach neuen Energiequellen). Auch die negativen Auswirkungen der Handelssanktionen gegen Russland werden in Europa vermutlich am stärksten zu spüren sein. Andererseits könnte China ein Abschwung, wie ihn der Westen erleben dürfte, erspart bleiben, weil die Inflation hier nicht so hoch ausgefallen ist wie in vielen anderen großen Volkswirtschaften und die Zentralbank die Geldpolitik gelockert hat (um der schwächelnden Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Wir glauben, dass die Inflation in den meisten Ländern im Jahr 2023 zurückgehen wird. Erstens sind die unmittelbaren Inflationsursachen wie steigende Rohstoffpreise und Lieferkettenstörungen inzwischen weniger präsent. Tatsächlich sind die Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten gesunken und waren im Vorjahresvergleich zuletzt rückläufig. Daher beginnen die Rohstoffpreise die Inflation eher zu dämpfen als sie anzuheizen. In der Folge dürfte die Gesamtinflation in den meisten Ländern in den kommenden Monaten und Quartalen unter die Kerninflation fallen, sodass sich die Frage stellt, was mit der Kerninflation passiert.

Abgesehen von den unmittelbaren Inflationstreibern dürfte die aggressive Ausweitung der Geldmenge der vergangenen Jahre die Hauptursache für den jüngsten Preisdruck gewesen sein. In der Frühphase der Pandemie mussten die Regierungen den Unternehmen und privaten Haushalten mit milliardenschweren Entlastungen unter die Arme greifen, um eine tiefe Rezession zu vermeiden. Das erforderte eine starke Ausweitung der Staatsverschuldung. Dabei erhielten die Regierungen Beistand von ihren Zentralbanken, vor allem denjenigen, die dafür in großem Stil Obligationen ankauften. Abbildung 7 zeigt, wie auf die Beschleunigung des Geldmengenwachstums in den USA ein Anstieg der Kerninflation folgte. Inzwischen ist das Geldmengenwachstum jedoch deutlich schwächer. Dadurch könnte es unseres Erachtens auch zu einem Rückgang der Kerninflation kommen. Konkret glauben wir, dass das Lohnwachstum ein zyklisches Phänomen ist, das durch eine höhere Arbeitslosigkeit gedämpft werden wird. Auch der Anstieg der Wohnkosteninflation (Mietkosten usw.) dürfte sich abschwächen, wenn die Immobilienpreise sinken.

Abb. 6. US-Geldmenge und Kerninflation

Auf Basis monatlicher Daten von Januar 1960 bis November 2022. Der schattierte Bereich bezieht sich auf den Zeitraum Januar 1965 bis Januar 1980. Quelle: Refinitiv Datastream und Invesco

Wir vermuten, dass die Zentralbanken nicht darauf warten werden, dass die Inflation ihren Zielwert erreicht, bevor sie die Zinsstraffung beenden. Vermutlich wird es ihnen schon ausreichen, wenn klar ist, dass sich die Inflationsrate in die richtige Richtung entwickelt. Die Finanzmärkte scheinen diese Einschätzung zu teilen. Die Zinsterminkontrakte signalisieren, dass die Märkte den Höhepunkt des Zinserhöhungszyklus der großen Zentralbanken für Mitte 2023 erwarten und erste Zinssenkungen noch in diesem Jahr für möglich halten. Dabei wird angenommen, dass die Fed und die BOE dem Ende ihres Zinserhöhungszyklus näher sind als die EZB. Wir gehen davon aus, dass dies den US-Dollar (eine Währung, die wir für teuer halten und die ihren Höhepunkt unserer Meinung nach erreicht hat) im Jahr 2023 weiter schwächen wird. 

In politischer Hinsicht war das vergangene Jahr ereignisreicher als erwartet. Die Ergebnisse der Wahlen in Australien, Brasilien und Frankreich fielen wie erwartet aus, die Zwischenwahlen in den USA hingegen nicht, und im September sorgte das politische Chaos in Großbritannien für Turbulenzen an den globalen Märkten. Das größte geopolitische Ereignis des zurückliegenden Jahres (Russlands Einmarsch in die Ukraine) war jedoch weitgehend unerwartet und könnte zum allgemeinen Anstieg der Risikoprämien beigetragen haben.

Mit Blick in die Zukunft könnten Patt-Situationen zwischen Demokraten und Republikanern in Washington und zwischen Russland und der Ukraine die beherrschenden Themen des Jahres 2023 sein – dicht gefolgt von den Spannungen zwischen den USA und China. Jetzt, da die Republikaner die Kontrolle über das US-Repräsentantenhaus zurückerlangt haben, dürfte die Auseinandersetzung über die Schuldenobergrenze wieder zu einem regelmäßigen Bestandteil der Legislative werden. Das könnte die Märkte von Zeit zu Zeit verunsichern.  

Auch wenn die für 2023 angesetzten Wahlen für die globalen Märkte kaum von Bedeutung sein dürften, meinen wir, dass einige durchaus interessant sein könnten. Bei den Kommunalwahlen im Vereinigten Königreich könnte sich zeigen, ob es Rishi Sunak gelungen ist, den Schaden, den das Ansehen der Konservativen Partei in den letzten Jahren erlitten hat, zu beheben. Die Wahlen in Spanien dürften (laut Meinungsumfragen) einen Schwenk von Links nach Mitte-Rechts bringen, auch wenn die Regierungsbildung erneut schwierig sein könnte. Schließlich signalisieren die jüngsten Meinungsumfragen, dass Präsident Erdogan in den Präsidentenwahlen in der Türkei eine Niederlage erleiden könnte, ganz egal, wer von der CHP (Republikanische Volkspartei) gegen ihn antritt (solange es sich um eine freie und faire Wahl handelt).

Mit Beiträgen von den Redaktions- und Investmentteams von Invesco

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Quelle: Invesco, Stand 31. Dezember 2022.

Anhang: Daten- und Benchmark-Definitionen

  • Quellen: Sofern nicht anders angegeben, stammen unsere Daten von Refinitiv Datastream.

    8Paul Jacksons Ansichten spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten der Anlageteams wider und sind nicht entscheidend für deren Vermögensallokation.

     

    Cash: Die Renditen basieren auf einem eigenen, anhand des Intercontinental Exchange Benchmark Administration Overnight LIBOR (London Interbank Offer Rate) berechneten Index. Ab dem1. Januar 2022 verwenden wir den Refinitiv-Tagesgeldsatz für den Euro, das britische Pfund und den japanischen Yen. Der globale Zinssatz bezieht sich auf den Durchschnitt der EUR-, GBP-, USD- und JPY-Zinsen. Ausgangspunkt der Zeitreihe ist der 1. Januar 2001 mit einem Wert von 100.

     

    Gold Londoner Spotpreis in USD/Feinunze.

      

    Investment-Grade (IG)-Unternehmensobligationen: Investment-Grade (IG)-Unternehmensobligationen: Bank of America Merrill Lynch Investment Grade Corporate Bond Indizes mit historischen Bandbreiten ab 31. Dezember 1996 für den globalen Index, 31. Januar 1973 für den USD-Index, 1. Januar 1996 für den EUR-Index, 31. Dezember 1996 für den GBP-Index, 6. September 2001 für den JPY-Index und 31. Dezember 2004 für die China-Indizes. Die Renditen und Erträge aus Emerging-Market-Obligationen basieren auf dem Bloomberg Emerging Markets Corporate US Dollar Bond Index mit historischen Bandbreiten ab dem 28. Februar 2003.

     

    Hochzins-Unternehmensobligationen: Bank of America Merrill Lynch High Yield Indizes mit historischen Bandbreiten ab 29. August 1986 für den USD-Index und 31. Dezember 1997 für die globalen und EUR-Indizes.

     

    Aktien: Die Aktienindexbewertungen basieren auf den Dividendenrenditen der Datastream-Benchmarkindizes mit historischen Bandbreiten ab 1. Januar 1973 für die globalen, US-, Europa ex-UK- und Japan-Indizes, 31. Dezember 1969 für den britischen Index, 2. Januar 1995 für den Emerging-Markets-Index und 26. August 1991 für den China-A-Aktien-Index.

     

    Immobilien: Wir verwenden FTSE EPRA/NAREIT Indizes mit historischen Bandbreiten ab 29. Dezember 1989 für die US-, Europa ex-UK, UK- und Japan-Indizes, 18. Februar 2005 für den globalen Index und 31. Oktober 2008 für den Emerging-Markets-Index.

     

    Rohstoffe: Goldman Sachs Commodity Index mit historischen Bandbreiten ab 31. Dezember 1969 für die All Commodities und Agriculture Indizes, 31. Dezember 1982 für den Energy Index, 3. Januar 1977 für den Industrial Metals Index und 2. Januar 1973 für den Precious Metals Index. Wir fassen Öl & Gas sowie Industriemetalle unter der Bezeichnung Industrierohstoffe zusammen.&

     

Wesentliche Risiken

  • Der Wert einer Anlage und die Erträge hieraus können sowohl steigen als auch fallen (dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein) und es ist möglich, dass Anleger den ursprünglich angelegten Betrag nicht zurückerhalten.

Wichtige Informationen

  • Mit Annahme dieses Dokuments erklären Sie sich damit einverstanden, mit uns auf Englisch zu kommunizieren, sofern Sie uns nicht anderweitig informieren. Stand der Daten ist der 15. Dezember 2022, sofern nicht anders angegeben.  

     

    Dieses Marketingdokument dient zur zur Illustration, stellt keine Empfehlung dar, eine bestimmte Anlageklasse, Finanzinstrument oder Strategie, zu kaufen oder verkaufen. Das Dokument unterliegt nicht den regulatorischen Anforderungen, welche die Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen/Anlagestrategieempfehlungen sowie das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung der Anlageempfehlung/Anlagestrategieempfehlung vorschreiben. Diese Informationen dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

    Die in diesem Material dargestellten Prognosen und Meinungen sind subjektive Einschätzungen und Annahmen des Fondsmanagements oder deren Vertreter. Diese können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern. Es kann keine Zusicherung gegeben werden, dass die Prognosen wie vorhergesagt eintreten werden.