Marktausblick

Investmentausblick 2. Halbjahr 2023

Wir sind der Ansicht, dass der Höchststand der Zinsen erreicht ist oder kurz bevorsteht, die Inflation nachlässt und die Weltwirtschaft eine relativ kurze Abschwungphase durchmacht. Die Märkte dürften darüber schon bald wieder hinwegsehen und eine künftige Konjunkturerholung einpreisen.

Makroeinschätzungen: Wir sind der Ansicht, dass der Höchststand der Zinsen erreicht ist oder kurz bevorsteht

Um die höchste Inflation seit mehreren Jahrzehnten einzudämmen, haben die Zentralbanken der westlichen Industrieländer ihre Geldpolitik aggressiv gestrafft. Das hat den Preisdruck gedämpft, aber auch das weltweite Wachstum nennenswert ausgebremst und zu einigen Finanzunfällen wie dem Zusammenbruch mehrerer Regionalbanken in den USA geführt. Selbst in diesem Umfeld ist die inländische Nachfrage in vielen Märkten jedoch weiterhin robust. Das gilt insbesondere für die Nachfrage nach Dienstleistungen.

  • Kristina%20Hooper,%20Invesco%20Chief%20Global%20Market%20Strategist

    „Die Geldpolitik der Zentralbanken ist nicht mehr so gleichgeschaltet wie während der Pandemie. Wir sind weit von einem weltweit synchronisierten Zyklus entfernt.“

    Kristina Hooper, Invesco Chief Global Market Strategist

  • Wichtige Industrieländer befinden sich in einer Spätphase des Konjunkturzyklus, China in einer Frühphase

    Unserer Ansicht nach wächst die Weltwirtschaft unter Trend und verliert weiter an Dynamik. Eine breite Rezession ist ein Risiko, aber nicht unser Basisszenario.

    Nach dem Boom im Nachgang der Pandemie und einem starken Anstieg der Zinsen schwächt sich das Wachstum in den meisten westlichen Volkswirtschaften jetzt ab. Der seit Ende der Pandemie sehr starke Güterkonsum verlangsamt sich, während der Dienstleistungskonsum weiter wächst.

    Durch die Entspannung in den Lieferketten hat der Druck auf die Warenpreise nachgelassen, und der Preisdruck bei Dienstleistungen dürfte sich ebenfalls abschwächen. Dieser disinflationäre Trend dürfte ein insgesamt positiveres Umfeld für die Volkswirtschaften und Märkte schaffen.

    Abb. 1. Frühindikatoren
    Abb. 1. Frühindikatoren

    Quelle: Invesco Investment Solutions, aktuellste verfügbare Daten, Stand: 30. April 2023.

  • Eine „holprige Landung“ im Westen

    In vielen großen Volkswirtschaften hat sich die Nachfrage bereits abgeschwächt und die Kreditkonditionen werden restriktiver. In einigen Ländern – allen voran den USA – lässt die Inflation bereits nach. Die Inflation geht zurück.

    Doch nicht nur die Inflation, auch das Wachstum lässt nach. Nach einer durch die Geldpolitik verursachten holprigen Landung rechnen wir in der zweiten Jahreshälfte mit einem moderaten Abschwung, auf den bis zum Jahresende eine milde Rezession folgen könnte, aber nicht muss. Während sich die Kreditstandards verschärft haben und die Zinsstrukturkurve seit einiger Zeit invertiert ist, hat sich die Wirtschaftsaktivität gut gehalten und die Arbeitsmärkte sind weiterhin eng.

    Abb. 2 Sinkende Realeinkommen und schwächere Nachfrage durch hohe Inflation

    Vierteljährliche Daten von Q4 1999 bis Q2 2023 (Stand 15. Mai 2023). Daten (einschließlich der Prognosen für 2023) von der OECD bereitgestellt. Die Daten zu allen Ländern mit Ausnahme Großbritanniens beziehen sich auf die Nettowerte. Quellen: OECD, Refinitiv Datastream und Invesco Global Market Strategy Office

    „Holpriger Start“ in China, uneinheitliches Bild in anderen Schwellenländern

    Die Lockerung der Corona-Beschränkungen hat zu einer kräftigen Erholung in China geführt, die jedoch nicht so stark ausgefallen ist wie erwartet. Am deutlichsten hat sich der Dienstleistungssektor erholt, während die Industrieproduktion und die Exporte durch das schwächere globale Wachstum belastet wurden.

    Der kurzfristige Ausblick für China bleibt dennoch gut — die positiven Impulse durch die Wiederöffnung dauern an, die Inflation ist gut verankert und die Geldpolitik ist weiterhin akkommodierend. Wie sich die chinesische Wirtschaft nach 2023 entwickeln wird, ist weniger klar. Die chinesische Regierung wird Maßnahmen ergreifen müssen, um den Immobilienmarkt wiederzubeleben und Chinas demografische Probleme zu adressieren.

  • Zinshöchststand in den USA erreicht, weitere Erhöhungen in Europa

    Unserer Ansicht nach nähern sich die Leitzinsen in den Industrieländern ihrem Höchststand oder haben diesen bereits erreicht, wobei die USA in diesem Prozess am weitesten sind und Europa mit etwas Abstand folgt. Dagegen ist die Geldpolitik in China weiterhin unterstützend.

    USA

    Nach dem schnellen Straffungszyklus der US-Notenbank (Fed) ist der Zinshöchststand in den USA unserer Ansicht nach jetzt erreicht oder steht kurz bevor. Wir erwarten jedoch, dass das Inflationsziel der Fed von 2 % am Jahresende noch nicht erreicht sein wird und die US-Inflation dann bei etwa 3 % liegen wird. Die Zinsen dürften ab Ende dieses Jahres oder Anfang 2024 leicht gesenkt werden, über unseren Prognosezeitraum jedoch erhöht bleiben.

    EU & Großbritannien

    Die Entwicklung in der Eurozone und Großbritannien dürfte mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung ähnlich wie in den USA verlaufen. Wir sind optimistisch, was die kurzfristigen Wachstumsaussichten für Europa angeht, rechnen jedoch gegen Ende des Jahres mit spezifischen regionalen Herausforderungen. Die Verschärfung der Finanzkonditionen dürfte das Kreditwachstum – und damit auch den Inflationsdruck – mit der Zeit dämpfen. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte die Zinsen weiter anheben, ohne mit dem US-Endzins gleichzuziehen.

    China

    China befindet sich in einer ganz anderen Phase des Konjunkturzyklus und wir gehen davon aus, dass die Geldpolitik in China insgesamt akkommodierend bleibt und das Kreditwachstum unterstützt. Die chinesische Zentralbank (PBOC) könnte weitere proaktive Maßnahmen wie zum Beispiel die Senkung des Mindestreservesatzes  ergreifen, um die Verbraucher- und Geschäftsstimmung zu verbessern. 

    Abbildung 3. Vom Markt erwarteter Höchststand der Leitzinsen in den nächsten 24 Monaten

    Quellen: Bloomberg L.P. und Macrobond, Stand: 22. Mai 2023. Der Leitzins-Höchststand in dieser Abbildung ist der höchste Zinssatz der 30-Tages-Futures über alle Laufzeiten bis 24 Monate.

Wesentliche Risiken: Eine Straffung der Geldpolitik hat häufig Finanzunfälle zur Folge

  • Aktien: Erst Abschwung, dann Erholung

    In turbulenten Zeiten suchen Anleger meist Zuflucht in großen, hochwertigen Wachstumstiteln aus den USA. Das war auch in den letzten Monaten zu beobachten (linke Abbildung). Für eine anhaltende Outperformance globaler Value-Aktien bedarf es dagegen eines Endes der Zinserhöhungen durch die Fed, eines fallenden US-Dollars und einer steigenden globalen Wirtschaftsleistung (rechte Abbildung).

    Ein Blick über die kurzfristig erhöhte Volatilität hinaus lässt jedoch hoffen: Seit Ende des letzten Jahres hat die globale Produktionsaktivität zugelegt, der US-Dollar ist gesunken und die Finanzierungsbedingungen sind lockerer geworden.

    Obwohl die Fed die Zinsen bei ihrer letzten Sitzung noch einmal anhob, dürfte die Straffung zu Ende gehen. Letztlich dürften globale Value-Aktien in einem sich verbessernden operativen Umfeld wieder interessanter für Anleger werden.

    Abb. 7. Globale Aktienperformance in Zeiten sinkender und steigender globaler Produktionsaktivität seit 1998

    Quellen: Bloomberg L.P., Invesco, Stand: 30. April 2023. Hinweise: EM = MSCI Emerging Markets Index. DM ohne USA = MSCI ACWI ex USA Index. Europa = MSCI Europe Index. US Small-Caps = Russell 2000. US Value = Russell 1000 Value. US Large-Caps = S&P 500. US Growth = Russell 1000 Growth. Kursrendite in US-Dollar. Die Indexdefinitionen finden Sie auf Seite 21. Eine Direktanlage in einen Index ist nicht möglich. Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.

  • Schwellenländer: Chinesische Aktien sind so günstig wie selten zuvor

    Wir sind davon überzeugt, dass die Bewertungen großen Einfluss auf die langfristigen Renditen haben. Vor diesem Hintergrund halten wir chinesische Aktien – vor allem im Vergleich zu indischen und US-Aktien – für interessant.

    Auf kurze Sicht könnte die wirtschaftliche Dynamik jedoch eine größere Rolle spielen. Die chinesische Zentralbank (PBOC) hat ihre Geldpolitik in den vergangenen Jahren gelockert, während die Fed einen aggressiven Straffungskurs verfolgt hat. Das hat unter anderem zu einem sehr unterschiedlich starken Geldmengenwachstum in beiden Ländern geführt. Unserer Ansicht nach verspricht dies eine höhere Wachstumsdynamik (und bessere Entwicklung der Unternehmensgewinne) in China.

    • Rob%20Waldner,%20CFA,%20Invesco%20Chief%20Strategist

      „Das makroökonomische Umfeld ist zunehmend günstig für die globalen Märkte, aber die Anleiherenditen werden sich wahrscheinlich weiter in einer engen Spanne bewegen.“

      Rob Waldner, CFA, Invesco Chief Strategist

    Anleihen: Eine attraktive Chance

    Anleger haben es aktuell mit einem unsicheren Marktumfeld zu tun. Die Wirtschaft ist zuletzt stärker gewachsen als erwartet und der US-Arbeitsmarkt hat den steigenden Zinsen besser standgehalten. Die nachlassenden Sorgen über Engpässe in der Energieversorgung haben eine bessere Wirtschaftsentwicklung in Europa und weltweit ermöglicht.

    Wir haben zwar keinen Wirtschaftsboom erlebt, aber eine deutlich positive weltweite Wachstumsdynamik, und den großen Volkswirtschaften ist eine Rezession bislang erspart geblieben. Die Inflationsaussichten in den USA verbessern sich kontinuierlich, da sich die Schwäche der Immobilienpreise in den Preisindizes niederschlägt und der Lohndruck nachzulassen scheint.

  • Alternative Anlagen: Private Markets-Ausblick

    Private Credit

    Dank höherer Renditen, rekordhoher Summen an noch nicht investiertem Private Equity-Kapital („Dry Powder“) und starker Bilanzen rechnen wir im Direct Lending-Bereich mit anhaltend robusten und attraktiven Anlagemöglichkeiten. Die Ausfälle dürften zwar etwas zunehmen. Durch die vorrangige Stellung der Anlageklasse in der Kapitalstruktur sollten Anleger für die eingegangenen Risiken jedoch mehr als kompensiert werden. Wenn mehr Verwerfungen erkennbar werden, dürften Distressed Debt (notleidende Kredite) und Special Situations (Kreditvergabe in Sondersituationen) wieder attraktiver werden. Unsere bevorzugten Investments in dieser Anlageklasse sind weiterhin Immobilien- und Infrastrukturkredite, da der Druck auf den regionalen Bankensektor neue Möglichkeiten für die Vergabe alternativer Kredite eröffnen sollte.

    Private Equity

    Wir reduzieren unser Private Equity-Rating auf leicht untergewichtet, da die Bewertungen vor dem Hintergrund der höheren Kreditkosten moderater werden. Im Bereich der Private-to-Private-Transaktionen eröffnen sich selektive Anlagechancen. Dieses Umfeld ist für „Dry Powder“ und Neuinvestitionen günstiger als für in den vergangenen Jahren getätigte Investments, für die im Allgemeinen noch keine Wertkorrekturen durchgeführt worden sind. Es gibt Möglichkeiten für Growth Equity-Firmen, Kapital für private Unternehmen bereitzustellen, die andernfalls den Zugang zum IPO-Markt gesucht hätten.

    Real Assets (Sachwerte)

    Wir erwarten, dass sich die Cap Rates nach der jüngsten Korrektur in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren. Diese Neubewertung wird je nach Region, Markt und Immobiliensektor unterschiedliche Auswirkungen haben. Da wir das Bewertungsniveau skeptisch sehen, haben wir unsere Immobilienallokation leicht reduziert. Dank attraktiver Fundamentaldaten und gesetzlicher Initiativen, die eine hohe Verfügbarkeit von Projektfinanzierungen erwarten lassen, bleibt Infrastruktur ein interessanter Bereich.

    Private Markets-Ausblick

    Quelle: Invesco Investment Solutions, Einschätzungen per 30. April 2023.

  • Der Dollar: Der USD erscheint teuer und die Renditedifferenzen entwickeln sich zunehmend zu seinem Nachteil

    Auf Basis realer effektiver Wechselkurse ist der US-Dollar teurer als üblich. Am anderen Ende der Skala befindet sich der japanische Yen (da die Bank of Japan (BoJ) als eine der wenigen Zentralbanken die Zinsen in den letzten 18 Monaten nicht angehoben hat). Aufgrund des hohen Leistungsbilanzdefizits der USA dürfte die aktuelle Dollarstärke jedoch nicht haltbar sein.

    Bei Währungen kommt es häufig dazu, dass diese vorübergehend deutlich über ihrem vermeintlich fairen langfristigen Wert notieren und sich diesem über eine längere Zeit nicht wieder annähern. Solche Überreaktionen werden oft damit erklärt, dass sich Finanzströme schneller an neue Gegebenheiten anpassen als Waren- und Dienstleistungsströme. Die Finanzströme werden häufig durch Zinsunterschiede bestimmt, die sich jetzt gegen den Dollar bewegen.

Wesentliche Risiken

  • Der Wert von Anlagen und die Erträge hieraus unterliegen Schwankungen. Dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein. Es ist möglich, dass Anleger bei der Rückgabe ihrer Anteile nicht den vollen investierten Betrag zurückerhalten.

Wichtige Informationen

  • Stand aller Daten: 31. Mai 2023, sofern nicht anders angegeben.

    Dies ist Marketingmaterial und kein Anlagerat. Es ist nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Anlageklasse, eines Wertpapiers oder einer Strategie gedacht. Regulatorische Anforderungen, die die Unparteilichkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen verlangen, sind daher nicht anwendbar, ebenso wenig wie das Handelsverbot vor deren Veröffentlichung.
    Die Ansichten und Meinungen beruhen auf den aktuellen Marktbedingungen und können sich jederzeit ändern. 

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