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Monatliches Anleihen-Update

Invescos monatliches Anleihen-Update

Renditen von Anlageklassen

Nach dem deutlichen Aufwärtstrend im März hatten die Anleihemärkte im April einen schlechten Monat, da die Erwartungen an Zinssenkungen erneut aufgeschoben wurden. Nachdem die US-Staatsanleiherenditen am Monatsanfang bereits durch unerwartet starke US-Wirtschaftsdaten unter Aufwärtsdruck gestanden hatten, trieben die Inflationsdaten die Renditen zur Monatsmitte weiter nach oben. Der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, deutete an, dass die Zinsen möglicherweise länger auf einem höheren Niveau bleiben müssen, nachdem sich die Inflation in den letzten Monaten nicht mehr weiter ihrem Zielwert angenähert hat. Dadurch verschoben sich die Erwartungen an erste Zinssenkungen auf das vierte Quartal. In Großbritannien zeigte sich die Inflation ebenfalls hartnäckiger als erwartet, was die negative Stimmung gegenüber Anleihen verstärkte. Im Monatsverlauf wurde der US-Dollar durch die stärkeren Konjunkturdaten und die weniger akkommodierende Rhetorik der Fed gestützt. Gegenüber dem stärkeren Dollar wertete der japanische Yen erstmals seit 1990 auf über 160 USD ab.

Renditen von Anlageklassen – April 2024
Renditen von Anlageklassen  – April 2024

Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2024.

Mit Ausnahme von Unternehmens-Hybridanleihen, die einen starken Monat hatten, war die Performance von USD- und EUR-Anleihen gedämpft und die Renditen waren am Monatsende größtenteils etwas höher als Ende Dezember. Großbritannien war der Ausreißer nach unten, da unerwartet hohe Inflationsdaten hier zu einer negativen Performance für Staatsanleihen (Gilts), inflationsgebundene Staatsanleihen (Linkers) und Kreditanlagen führten.

Staatsanleihen und inflationsgebundene Anleihen

Für Staatsanleihen und inflationsgebundene Anleihen war der April ein schlechter Monat. Obwohl die Staatsanleiherenditen in den USA am stärksten anstiegen, verzeichneten britische Staatsanleihen (Gilts) aufgrund des höheren Zinsrisikos die schlechteste Gesamtrendite. Ebenso stiegen die realen Renditen von inflationsgebundenen Anleihen weniger stark als die nominaler Anleihen, da sich die Breakeven Rates als Reaktion auf die stärkeren Inflationsdaten ausweiteten. In den USA und der Eurozone erwies sich dies als defensiv; die sehr lange Duration des britischen Marktes für inflationsgebundene Anleihen führte jedoch dazu, dass diese schlechter performten als nominale britische Staatsanleihen. 

US-Staatsanleihen

Auf stärkere Umfragedaten des verarbeitenden Gewerbes zu Beginn des Monats folgte ein robuster Arbeitsmarktbericht, der die Renditen von US-Staatsanleihen in die Höhe trieb. Letztlich waren es aber die Inflationsdaten, die zu einem Stimmungswandel in Bezug auf den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung führten. Die über den Markterwartungen liegenden Gesamt- und Kerninflationsraten zeigten, dass es zuletzt keine Fortschritte bei der Rückführung der Inflation auf ihren Zielwert gegeben hat. Dies veranlasste den Fed-Vorsitzenden Powell dazu zu signalisieren, dass die Zinsen noch längere Zeit auf einem höheren Niveau bleiben könnten, bis mehr Gewissheit darüber besteht, dass sich die Inflation wieder dem längerfristigen Zielwert der Fed annähert. Die Staatsanleiherenditen standen bis zum Monatsende unter Aufwärtsdruck, da auch die PCE-Kerninflation – das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß – stärker als erwartet ausfiel. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe schloss den Monat 48 Bps höher, nachdem sie im Monatsverlauf erstmals seit Anfang November auf über 4,7% gestiegen war. Obwohl sich die Breakeven Rates ausweiteten, zeigten sich TIPS ebenfalls schwach und die zehnjährigen realen Renditen waren am Monatsende 40 Bps höher als am Monatsanfang.

US-Staatsanleihen
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Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2024.

Staatsobligationen der Eurozone

Staatsanleihen der Eurozone standen im April ebenfalls unter Verkaufsdruck, obwohl die Renditen weniger stark stiegen als in den USA, da die Inflationsdaten den Markterwartungen entsprachen. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe stieg um 29 Bps, während sich italienische Staatsanleihen mit einem Plus von 24 Bps etwas besser hielten. Obwohl sich die Inflation in der Eurozone besser verhielt als in den USA und Großbritannien, stiegen die Breakeven Rates für Anleihen der Eurozone jedoch ebenfalls an, wie es in einem Umfeld steigender Zinsen häufig der Fall ist.

Staatsanleihen der Eurozone
Staatsanleihen der Eurozone

Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2023.

Britische Staatsanleihen

Der britische Staatsanleihemarkt stand im April ebenfalls unter Verkaufsdruck und war aufgrund seines höheren Zinsrisikos der Markt mit der schlechtesten Gesamtrendite unter den großen Staatsanleihemärkten. Während die US-Daten und die Performance der US-Staatsanleihen den Ton an den globalen Anleihemärkten angaben, überraschte die Inflation in Großbritannien positiv. Obwohl der Verbraucherpreisindex mit 3,2% so niedrig ausfiel wie zuletzt Ende 2021, war er höher als erwartet, ebenso wie die Kerninflation, die für die geldpolitischen Entscheider möglicherweise von größerer Bedeutung ist. Die Rendite der zehnjährigen britischen Staatsanleihe schloss den Monat 41 Bps höher, während die realen Renditen zehnjähriger indexgebundener britischer Staatsanleihen um 29 Bps stiegen.  

Britische Staatsanleihen
Britische Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2024.

Was Anleger im Blick haben sollten...

... die Inflationsdaten, da die negative Stimmung an den Anleihemärkten schnell drehen könnte.

Investment-Grade-Anleihen

Die Credit Spreads von Investment Grade-Anleihen bewegten sich im April in einer engen Spanne, da sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die Inflation und die Geldpolitik richtete. Sorgen über die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen längerfristig höherer Zinsen führten zur Monatsmitte zu einer gewissen Spreadausweitung. An den Aktienmärkten kam es ebenfalls zu einem kleinen Ausverkauf. In der zweiten Monatshälfte ließ die Volatilität jedoch nach, Risikoanlagen erholten sich und die Credit Spreads verengten sich wieder, sodass sie am Monatsende fast wieder auf dem Niveau von Ende März lagen.

Spreads von Investment Grade-Anleihen
Investment Grade-Anleihen

Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2024.

Was Anleger im Blick haben sollten...

... die Wirtschaftsdaten, da die Spreads bei einer harten Landung stark reagieren könnten.

Hochzinsanleihen und nachrangige Schuldinstrumente

Einige idiosynkratische Risiken am Markt für europäische Hochzinsanleihen haben zu einer allgemeineren Ausweitung der Spreads gegenüber ihren Tiefstständen im März geführt. Zusammen mit dem veränderten geldpolitischen Ausblick führte dies dazu, dass sich die Spreads zur Monatsmitte ausweiteten. Trotz einer teilweisen Erholung in der zweiten Monatshälfte waren die Spreads von EUR-Hochzinsanleihen Ende April um 16 Bps weiter als am Monatsanfang. Die Spreads von US-Hochzinsanleihen zeigten sich weniger volatil und weiteten sich nur um 2 Bps aus. Bei nachrangigen Schuldtiteln war die Spread-Rally zwar relativ gedämpft. Die Spreads von AT1 (-2 Bps) und EUR-Hybridanleihen (-7 Bps) halten sich jedoch weiterhin auf einem relativ engen Niveau.

Hochzinsanleihen und nachrangige Schuldinstrumente
Hochzinsanleihen und nachrangige Schuldinstrumente

Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2023.

Was Anleger im Blick haben sollten...

... den Ausblick für die Ratings von Hochzinsemittenten.

Zuflüsse in Anleihen-ETFs

Mit Nettoneuzuflüssen von 5,7 Mrd. USD nahmen die Zuflüsse in Anleihen-ETFs im April zu. Damit summieren sich die Nettoneuzuflüsse seit Jahresanfang auf 17,9 Mrd. USD. Vermeintlich sichere Anlageklassen waren im Berichtsmonat die größten Gewinner: Die höchsten Zuflüsse wurden von EUR-Staatsanleihen-ETFs (2,4 Mrd. USD), ETFs mit Cash Management-Strategien (1,3 Mrd. USD) und US-Staatsanleihen-ETFs (1,1 Mrd. USD) verzeichnet. Die Abflüsse waren im April relativ begrenzt, obwohl ETFs auf EUR- und USD-Investment-Grade-Anleihen (-0,5 Mrd. USD bzw. -0,2 Mrd. USD) zwei der drei wichtigsten Kategorien mit Nettoabflüssen waren. ETFs auf Staatsanleihen der Schwellenländer waren erneut wenig gefragt (-0,3 Mrd. USD).

Nach der März-Rally kam es an den Anleihemärkten im April erneut zum Ausverkauf. Die Märkte waren mit der Erwartung ins Jahr gestartet, dass die Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) in diesem Jahr sechs bis sieben Zinssenkungen vornehmen würden. Inzwischen wird in diesem Jahr mit späteren und geringeren Zinssenkungen gerechnet. Die erste Zinssenkung der Fed wird jetzt erst im November erwartet und die Chancen auf eine zweite Zinssenkung im Dezember werden bei 50:50 gesehen. Während die erste Zinssenkung der BoE im dritten Quartal erwartet wird, gefolgt von einer weiteren im Dezember, gehen die Märkte davon aus, dass die EZB die Zinssätze bis zum Jahresende dreimal senken wird. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sind derzeit so hoch wie seit sechs Monaten nicht mehr. Dies und die Tatsache, dass der Markt nur eine geringe Lockerung eingepreist hat, könnte Anlegern eine Gelegenheit bieten, das Zinsrisiko in ihren Portfolios zu erhöhen.

Die fünf besten und schlechtesten Anleihen-ETF-Kategorien im April 2024
Die fünf besten und schlechtesten Anleihen-ETF-Kategorien im April 2024

Quelle: Bloomberg, Invesco, Stand: 30. April 2024.

Fußnoten

  • 1 Verbraucherpreisindex

    2 Treasury Inflation-Protected Securities (inflationsgebundene US-Staatsanleihen)

    3 Bruttoinlandsprodukt

    4 NNA = Net New Assets (Nettoneuzuflüsse)

    Quelle aller Daten und Grafiken: Invesco, Bloomberg, Stand: 29. Februar 2024. Alle Zahlen in USD

Wesentliche Risiken

  • Der Wert von Anlagen und die Erträge hieraus unterliegen Schwankungen. Dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein. Es ist möglich, dass Anleger bei der Rückgabe ihrer Anteile nicht den vollen investierten Betrag zurückerhalten.

Wichtige Informationen

  • Quelle aller Daten und Grafiken: Invesco, Bloomberg, Stand: 30. April 2024. Alle Zahlen in USD.

    Dies ist Marketingmaterial und kein Anlagerat. Es ist nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Anlageklasse, eines Wertpapiers oder einer Strategie gedacht. Regulatorische Anforderungen, die die Unparteilichkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen verlangen, sind daher nicht anwendbar, ebenso wenig wie das Handelsverbot vor deren Veröffentlichung.

    Die hier geäußerten Ansichten und Meinungen beruhen auf den aktuellen Marktbedingungen und können sich jederzeit ändern.