Artikel Gold im Fokus: Was Q3 brachte – und was kommt
Kurz zusammengefasst
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Der Goldpreis ist im dritten Quartal um 3,7 % gestiegen – und dies trotz der Anhebung des Leitzinses durch die US-Notenbank Fed und stark steigender Anleiherenditen mit seit Jahrzehnten nicht mehr erreichten Höchstständen am längeren Ende der Kurve.
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Angesichts des robusten Wachstums, das sich positiv auf die Anleiherenditen und die Entwicklung des Goldpreises auswirkt, sind Inflationsbedenken überwiegend kurzfristiger Natur.
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Laufende Käufe von Zentralbanken und ein neuer Fokus auf Sicherheit sorgen bei einem gleichzeitigen Wiedererstarken der Anlegernachfrage über Gold-ETPs für anhaltende strukturelle Unterstützung.
Entwicklung des Goldpreises im dritten Quartal 2026
Nach einer schwachen Wertentwicklung im zweiten Quartal bewegte sich der Goldpreis im Juli zumeist rund um den psychologisch wichtigen Wert von 4.000 USD. Die Zentralbanken haben in diesem Monat 23 Tonnen Gold gekauft. Als zuträglich erwies sich außerdem der Anstieg der Nachfrage nach Gold-ETPs in der zweiten Monatshälfte. Im übrigen Quartal wurde verstärkt investiert.
Auf die Konsolidierung im Juli folgte ein deutlich positiverer August. Der Goldpreis verzeichnete in Folge schwächerer wirtschaftlicher Eckdaten in den USA einen starken Anstieg. Neben einem Rückgang der Beschäftigung blieb auch die Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise hinter den Markterwartungen zurück. Obwohl diese von der Fed nur bedingt als Näherungswert für die Inflationsrate herangezogen werden, haben sie die Erwartungen der Marktteilnehmer bezüglich einer Zinsanhebung durch die Fed reduziert. Der Goldpreis hat außerdem weiterhin vom Kaufverhalten der Zentralbanken profitiert. So hat zum Beispiel die chinesische Zentralbank im zweiten Monat in Folge den Kauf von 20 Tonnen Gold gemeldet.
Im September ist der Goldpreis in Folge des starken Anstiegs der Anleiherenditen zurückgegangen, jedoch war zum Abschluss des dritten Quartals mit 4.157 USD pro Unze Gold ein Plus von 3,7 % zu verzeichnen. Ein solches Plus bei Gold in einem Quartal mit seit Jahrzehnten nicht mehr erreichten Anleiherenditen ist beachtenswert. Mit dem Einfrieren der russischen Reserven im Jahr 2022, das dazu geführt hat, dass Zentralbanken Gold ungeachtet des Preises kaufen, hat sich der historische Zusammenhang zwischen dem Goldpreis und den Realrenditen erheblich abgeschwächt. Höhere Anleiherenditen – insbesondere Realrenditen – führen zu steigenden Opportunitätskosten für das Halten von nicht verzinslichen Vermögenswerten.
Wovon wurde der Goldpreis beeinflusst? Anleiherenditen, Inflation und Zinssätze
Die Anleiherenditen haben den Goldpreis im Quartal ohne Zweifel am stärksten beeinflusst. Der weltweite Abverkauf von Anleihen hat die Renditen von US-Staatsanleihen über die gesamte Kurve stark ansteigen lassen, wobei für längere Laufzeiten im September seit Jahrzehnten nicht mehr Höchstwerte verzeichnet wurden. Die Renditen für US-Staatsanleihen mit 10 bzw. 30 Jahren Laufzeit erreichten zum Abschluss des dritten Quartals mit 5,28 % bzw. 5,63 % die höchsten Schlussstände seit 2002.
Maßgeblich für den Abverkauf bei Anleihen waren verschiedene Faktoren, wie die Annahme, dass die Fed angesichts einer dauerhaft über dem 2-Prozent-Ziel verharrenden Inflationsrate die Zinssätze über einen längeren Zeitraum anheben wird. Seit Kurzem beobachten wir Wachstum als wichtigen Treiber für höhere Renditen. Die Realrenditen sind gestiegen, während die Laufzeitprämien allgemein abflachen, wie in Abbildung 2 ersichtlich.
Ebenso wirkt sich das konkurrierende Angebot auf die Nachfrage nach Staatsanleihen aus, da neue Unternehmensanleihen zur Finanzierung von KI-Infrastrukturprojekten von vielen langfristigen Anlegern bevorzugt werden. Auch eine von Anleiheinvestoren geforderte höhere Risikoprämie für Schatzanweisungen („Treasuries“) aufgrund von Faktoren wie dem Anstieg der US-Staatsverschulung auf über 40 Bio. USD in diesem Quartal könnte dabei eine Rolle spielen.
Die Zinspolitik wird maßgeblich durch Inflationserwartungen beeinflusst. Die Fed hat die Leitzinssätze im September um 25 Basispunkte auf einen Zielkorridor von 3,75 bis 4,00 % angehoben – eine einstimmig getroffene Entscheidung der Ausschussmitglieder. Zudem wird für das vierte Quartal 2026 mindestens eine weitere Anhebung erwartet. Nach einem überraschend niedrigen Anstieg des Konsumgüterpreisindex zum Quartalsende sank die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung der Zinssätze von 68 % auf 40 % im Vergleich zur Vorwoche, wie das CME FedWatch Tool zeigt.
Auch wenn die Inflation nach wie vor erhöht ist, könnte dieser Wert die Fed-Mitglieder dazu bewegen, die Zinssätze bei der Sitzung im Oktober unverändert zu lassen und vor einer wahrscheinlichen Anhebung im Dezember weitere Daten abzuwarten, sofern die Inflation bis dahin nicht zurückgegangen ist und sich die Wirtschaftslage weiter verbessert. Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal deutlich stärker gewachsen, als erwartet.
Weltweit wenden sich Anleger im dritten Quartal wieder Gold-ETPs zu
Hohe Goldpreise und robuste Aktienmärkte haben wahrscheinlich zu einem begrenzten Interesse an der Aufnahme von Gold in diversifizierte Portfolios beigetragen. Die Menge an Gold, die weltweit in physisch gedeckten Gold-ETFs und anderen börsengehandelten Produkten (ETPs) gehalten wurde, ist über den größten Teil des Jahres 2026 hinweg zurückgegangen. Im dritten Quartal kam es jedoch zu einer deutlichen Trendumkehr und zum Ende des Zeitraums wurden weltweit mehr von diesen Produkten gehalten als zu jedem anderen Zeitpunkt in den vergangenen zwölf Monaten.
Der Ausblick für Gold
Wenn die Finanzmärkte weiter volatil bleiben, dürfte auch der Goldpreis schwanken, möglicherweise auch unabhängig vom tatsächlichen Ausblick. Wie bereits zuvor in schwierigen Marktsituationen zu beobachten war, sehen sich einige Anleger gezwungen, jegliche liquiden Vermögenswerte in ihrem Besitz dafür aufzuwenden, anderswo Nachschussforderungen zu bedienen oder Verluste abzudecken, ohne dass dies bedeutet, dass sie den Vermögenswert aufgrund veränderter Ansichten veräußern möchten. Dies kann insbesondere für solche Anleger relevant sein, deren Goldpositionen in den vergangenen Jahren einen Wertzuwachs erfahren haben.
Dennoch gehen wir davon aus, dass die strukturelle Unterstützung für Gold weiterhin Bestand haben wird. Die Zentralbanken dürften ihre Goldkäufe zur Diversifizierung ihrer Reserven fortsetzen. Zentralbanken sind weitgehend preisunempfindlich und geben – wie im Artikel zum Goldeinblick im letzten Quartal ausgeführt – Bedenken bezüglich globaler Wirtschaftsschwankungen, Schutz vor Inflation und geopolitische Unsicherheiten als führende Treiber für die anhaltenden Goldkäufe an. Laut dem World Gold Council haben Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 mehr Gold gekauft als in jedem anderen verzeichneten zweiten Quartal.
Zentralbanken achten nicht nur darauf, wie viel Gold sie besitzen, sondern auch, wo sich dieses befindet. Im September verkündete De Nederlandsche Bank (DNB), dass sie im Zeitraum von März bis August ca. 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa nach London verlagert hat. Als Gründe hierfür wurden zunehmende geopolitische Spannungen und die bessere Vorbereitung auf Krisen angegeben. Der in London gelagerte Anteil der niederländischen Goldreserven ist damit von 18,1 % auf 32,1 % gestiegen, während der in New York gelagerte Anteil von 31,3 % auf 18,5 % zurückgegangen ist. Die Entscheidung der DNB hatte praktische Gründe: Bei der Bank of England gehaltene Goldbestände erfüllen internationale Handelsanforderungen und sind im Bedarfsfall schnell zugänglich.
Dieser Schritt folgt auf den Austausch von 129 t Gold, das in New York gelagert war, durch in Europa gekaufte Goldbarren im Zeitraum von Juli 2025 bis Januar 2026 durch die Banque de France. Keine dieser Maßnahmen hat zu einer Erhöhung der insgesamt gehaltenen Goldbestände geführt, sodass es in beiden Fällen nicht zu einer direkten Erhöhung der Nachfrage kam. Beide Ereignisse deuten jedoch darauf hin, dass Gold von Reserveverwaltern in zunehmendem Maß als Vermögenswert betrachtet wird, der nicht nur gehalten wird, sondern im Krisenfall Verwendung finden könnte. Dies ist ein Indiz dafür, dass Zentralbanken auch weiterhin Goldkäufe tätigen werden.
Was würde dazu führen, dass wir unseren Goldausblick überdenken?
Eine weitere Aufwertung des US-Dollars oder ein Rückgang der Käufe von Zentralbanken könnte zu einer Verschlechterung des Ausblicks führen. Andererseits könnte der Goldpreis von einer erwarteten Senkung der Leitzinsen infolge von Wachstumsbedenken, erneuten fiskalischen Bedenken und Bedenken in Bezug auf eine Verschlechterung der Wirtschaftslage oder geopolitischen Schocks profitieren.
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FAQs – Häufig gestellte Fragen
Warum wirken sich Zinsänderungen auf Gold aus?
Gold erzielt keine laufenden Erträge. Daher können höhere Zinsen Bargeld und Anleihen im Vergleich attraktiver machen. Niedrigere Zinsen verringern diese Opportunitätskosten und können die Nachfrage nach Gold unterstützen.
Warum beeinflusst der US-Dollar Gold?
Gold wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Ein stärkerer Dollar macht Gold daher für Käufer außerhalb der USA in der Regel teurer und kann die Nachfrage belasten. Umgekehrt kann ein schwächerer US-Dollar Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger machen und so die Goldnachfrage sowie den Goldpreis unterstützen.
Warum beeinflusst die Inflation den Goldpreis?
Gold gilt häufig als Schutz vor Inflation, da sein Angebot begrenzt ist und sein Wert nicht von einer einzelnen Währung abhängt. Allerdings hängt der Einfluss der Inflation auf Gold stark von der Entwicklung der Realzinsen ab. Steigen die Zinsen schneller als die Inflation, kann dies Gegenwind für Gold bedeuten.
Warum gilt Gold als „Wertspeicher“?
Gold gilt als Wertspeicher, weil es knapp, langlebig und weltweit anerkannt ist. Zudem kann es im Gegensatz zu Fiat-Währungen nicht beliebig vermehrt werden. Dank dieser Eigenschaften konnte Gold seine Kaufkraft über lange Zeiträume hinweg erhalten, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Belastungen oder von Spannungen an den Währungsmärkten.
Was ist der World Gold Council (WGC)?
Der World Gold Council (WGC) ist die Marktentwicklungsorganisation der Goldindustrie. Er vertritt führende Goldminenunternehmen und fördert das Verständnis für die Rolle von Gold auf den Finanzmärkten und in der Gesellschaft. Der World Gold Council veröffentlicht Studien, Daten und Leitlinien zur Goldnachfrage, zu Goldinvestments, den Goldreserven von Zentralbanken sowie zu verantwortungsvollen Lieferketten in der Goldindustrie.
Was ist ein physisch besicherter Gold-ETC?
Ein physisch besicherter Gold-ETC (Exchange Traded Commodity) ist ein Wertpapier, das die Entwicklung des Goldpreises nachbilden soll und in der Regel durch zugeordnetes physisches Gold gedeckt ist, das von einer Verwahrstelle sicher verwahrt wird. Ein physisch besicherter Gold-ETC ermöglicht Anlegern ein Engagement in Gold, ohne Goldbarren oder Münzen selbst lagern oder versichern zu müssen.
Welche Rolle spielt Gold in einem Portfolio?
Gold kann zur Diversifizierung eines Portfolios beitragen, da die Faktoren, die seinen Preis beeinflussen, häufig andere sind als bei Aktien und Anleihen. Dies gilt insbesondere in Phasen von Marktstress, Inflationssorgen oder geopolitischer Unsicherheit. Gold kann zudem Liquidität bieten und potenziell als Absicherungsinstrument dienen, generiert jedoch keine laufenden Erträge und kann erheblichen Kursschwankungen unterliegen.
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