Artikel

Märkte und der Nahe Osten: Auswirkungen auf Anlageklassen

Luftaufnahme einer Stadt in der Abenddämmerung, mit beleuchteten Straßen und Stadtvierteln, die vor dem Hintergrund tiefer Wolken leuchten.

Kurz zusammengefasst

Märkte und Wirtschaft

1

Die wirtschaftlichen Frühindikatoren deuten weiterhin auf eine grundlegende Resilienz hin, doch die marktbasierten Kennzahlen für Wachstumsprognosen und Risikobereitschaft haben sich abgekühlt. 

Private Immobilien

2

Die Auswirkungen des Iran‑Kriegs auf private Immobilien ergeben sich weniger aus direkten physischen Schäden, sondern vielmehr aus den indirekten Übertragungsmechanismen geopolitischer Konflikte auf die Gesamtwirtschaft. 

Schwellenländer

3

Während höhere Energiepreise für Nettoexporteure von Energie in Schwellenländern von Vorteil sind, stellt das Umfeld für Energie importierende Länder Asiens eine Herausforderung dar. 

Die jüngsten Meldungen aus dem Nahen Osten deuten auf einen Waffenstillstand und eine mögliche Wiederaufnahme des Energie- und Warenverkehrs durch die Straße von Hormus hin. Doch langfristige Themen wie Diversifikation, Defense und Disziplin stehen nach wie vor im Mittelpunkt unserer Investmentgespräche. Unsere Investmentexperten erörtern nachstehend die Auswirkungen geopolitischer Risiken und hoher Energiepreise auf ihre Anlageklassen und erläutern, wie sie ihre Portfolios in diesem Umfeld verwalten.

Schwellenländeraktien

Die Lage im Iran und Nahen Osten insgesamt hat Auswirkungen auf Asien und die Schwellenländer. Die Straße von Hormus ist eine wichtige Verkehrsader für den Öl- und Gastransport nach Asien und ein wesentlicher Faktor für die Energiepreise. Während höhere Energiepreise für Nettoexporteure von Energie in Schwellenländern von Vorteil sind, stellt das Umfeld für Energie importierende Länder Asiens eine Herausforderung dar und wirkt sich ebenso auf die Inflation und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus.

Der Ölmarkt, der sich von einem Überangebot hin zu einer angespannten Versorgungslage entwickelt, die durch Engpässe geprägt ist, verdeutlicht, wie schnell sich die Lage verändern kann. Die Lehre für uns lautet daher Diversifikation und Flexibilität – also ein Engagement, das sich über verschiedene Regionen, Anlagestile und Themenbereiche erstreckt. Dazu gehört es aber auch, diszipliniert zu bleiben, indem wir uns auf neue, bisher unterschätzte Chancen einlassen, sobald sich die Rahmenbedingungen ändern.

Derzeit sind unsere Portfolios für Asien und Schwellenländer in Energie und Nettoenergieexporteuren engagiert und weisen eine deutliche Untergewichtung bei Nettoenergieimporteuren (Indien, Taiwan, Südkorea) auf, bei denen die Bewertungen unserer Ansicht nach von zu großem Optimismus geprägt sind. Da sich Energieaktien im März jedoch um fast 20 % besser entwickelten als Technologieaktien,1 ist das Bild nun differenzierter – die Aktienselektion bleibt entscheidend.

  – Ian Hargreaves und William Lam, Co-Heads of Asian and Emerging Markets Equities

Private Immobilien

Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf private Immobilien liegen weniger in direkten materiellen Schäden begründet, sondern vielmehr darin, wie sich der geopolitische Konflikt auf die Gesamtwirtschaft auswirkt. Die wichtigsten Faktoren sind Inflationserwartungen, Zinssätze und die Risikobereitschaft der Anleger, die sich alle auf die Finanzierungskosten, die Bewertungsannahmen sowie das Vertrauen der Anleger und Immobilienmieter auswirken. Je nach Dauer des Konflikts kann es auf den Immobilienmärkten zu verzögerten Mietentscheidungen oder einer geringeren Transaktionsaktivität kommen, auch wenn die längerfristigen Fundamentaldaten stabil bleiben.

Aus betrieblicher Sicht dürften sich der Konflikt je nach Immobiliensektor und -markt unterschiedlich auswirken. Veränderungen beim Wirtschaftswachstum, bei den Handelsmustern und bei den Kostenstrukturen von Unternehmen können die Mietnachfrage beeinflussen. Allerdings sind diese Auswirkungen bei bestimmten Immobilienarten und in bestimmten Regionen tendenziell stärker ausgeprägt als bei anderen. Auf der Angebotsseite könnten höhere Energiekosten und Versorgungsengpässe bei energiebezogenen Rohstoffen die Baukosten in die Höhe treiben oder die Bauzeit verzögern, wodurch das Angebot an neuen Immobilien eingeschränkt werden könnte. Bei Bestandsobjekten kann ein Rückgang der Neubautätigkeit dazu beitragen, die Auslastung und das Mietwachstum dort zu stützen, wo die Nachfrage stabil bleibt.

Für Anleger verdeutlicht der aktuelle Konflikt die Bedeutung einer disziplinierten Prüfung von Investitionen, einer konservativen Hebelung und eines klaren Fokus auf Anlagen mit nachhaltigen Cashflows. Je länger die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Konflikt anhält, desto größer ist das Risiko, dass Miet- und Investmententscheidungen aufgeschoben werden. Gleichzeitig können Phasen mit verlangsamtem Kapitaleinsatz Chancen für Anleger eröffnen, die bereit sind, über kurzfristige Volatilität hinwegzusehen und diese Anlageklasse weiterhin als langfristige Anlage zu betrachten.

– Mike Sobolik, Investment Strategist, Direct Real Estate, North America; Mike Bessell, Managing Director, European Investment Strategist

Entdecken Sie unsere Strategien:

Immobilien

Globale Aktien

Im März kam es nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran und der anschließenden Blockade der Straße von Hormus zu einem erheblichen Aufflammen von Ängsten und Volatilität. Der Anstieg der Ölpreise auf über 120 US-Dollar ließ die Inflationssorgen wieder aufleben und führte zu Volatilität bei den Zinssätzen, woraus sich ein breiter Ausverkauf zyklischer Positionen ergab, während Energieaktien kräftig nach oben getrieben wurden. Der starke Kontrast zwischen einer raschen Deeskalation und einer anhaltenden Störung hat verdeutlicht, wie schnell sich die Marktbedingungen verändern können, wenn geopolitische Risiken wieder in den Vordergrund treten.

Im Mittelpunkt stand in diesem Zeitraum eher Resilienz als der Versuch, den weiteren Verlauf der Ereignisse zu erahnen. Ein diversifizierter Ansatz wurde beibehalten, dessen Schwerpunkt auf hochwertigen Unternehmen mit soliden Bilanzen und bewährten Managementteams liegt. Es wurde eher proaktiv als reaktiv gehandelt. Das Engagement in Öl wurde zurückgefahren, da die Aktienkurse bereits höhere langfristige Preise als erwartet berücksichtigten. Zudem wurde das Engagement in Teilen des KI- und Halbleitersektors verringert, wo die Bewertungen und Positionen überzogen sind und das Risiko einer falschen Kapitalzuteilung gestiegen ist.

Mit Blick auf die Zukunft sind wir der Ansicht, dass die attraktivsten Chancen in Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen liegen, vor allem solchen, die über einzigartige Datenbestände verfügen und von KI profitieren können, ohne dass dafür hohe Kapitalinvestitionen erforderlich sind. Allgemein unterstreichen die jüngsten Ereignisse die Notwendigkeit, auf Diversifikation und Flexibilität zu setzen. Sowohl geopolitische Entwicklungen als auch das Ausmaß des KI-Investitionszyklus deuten auf eine größere Bandbreite möglicher Szenarien hin. Daher werden ein umsichtiges Risikomanagement, eine disziplinierte Kapitalallokation und die Bereitschaft zur Anpassung entscheidend sein, um die bevorstehende Phase erfolgreich zu navigieren.

– Siddharth Shah, Client Portfolio Manager

 

Europäische Aktien und Anleihen

Die Anleihemärkte haben ihren Schwerpunkt auf die inflationsbedingten Auswirkungen einer gestörten Energieversorgung gerichtet. Daher haben sich die Zinserwartungen deutlich nach oben verschoben, wodurch die Renditen von Staatsanleihen stark anstiegen. Staatsanleihen gerieten unmittelbar unter Druck, was die Einschätzung widerspiegelt, dass Inflation und höhere Zinssätze eine größere Bedrohung darstellen als ein schwächeres Wachstum, und es gab kaum Anzeichen für eine klassische Flucht in sichere Anlagen. Seitdem sind die Märkte für Staatsanleihen weiterhin sehr volatil. Dagegen haben sich sogenannte Risikoanlagen als stabiler erwiesen. Zwar haben sich die Aktien- und Kreditmärkte etwas abgeschwächt, vor allem wegen des anhaltenden Konflikts, doch fiel der Rückgang insgesamt relativ moderat aus. Die Credit Spreads haben sich ausgeweitet, allerdings nicht wesentlich.

Das Kreditrisiko wurde in Phasen von Marktschwäche selektiv erhöht, wobei Zukäufe auf bekannte Emittenten konzentriert wurden, bei denen es zu Preisverzerrungen kam und das Angebot ausreichend verfügbar war. Einige dieser Positionen standen bereits vor März unter Druck, darunter auch Bereiche, die zu Jahresbeginn von den durch die KI-Auswirkungen ausgelösten Kursschwankungen betroffen waren, wie beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Verbrauchertechnologie und Datenverarbeitung. Weitere Engagements wurden spezifisch hinzugefügt. Das allgemeine Aktienengagement ging parallel zum Markt zurück, wurde jedoch im Zuge des darauf folgenden Kursrückgangs leicht erhöht. Die Duration bleibt im Großen und Ganzen unverändert.

Insgesamt ergibt sich daraus ein schwächeres makroökonomisches Umfeld als zu Jahresbeginn. Die Inflation ist nach wie vor so hoch, dass Staatsanleihen und die Duration keinen wirksamen Schutz vor Risiken bieten. Die Zentralbanken dürften jedoch zunehmend über den Inflationsimpuls hinwegsehen und den Blick auf das schwächere Wachstumsumfeld richten, zumal sich die Arbeitsmärkte bereits vor März abgeschwächt hatten. Dies steht im Gegensatz zur Inflationsphase nach der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2022 und 2023. Derzeit ist nicht mit einem erneuten Zinserhöhungszyklus zu rechnen. Die Gesamtrenditen erscheinen attraktiv, obwohl die Credit Spreads nach wie vor relativ eng sind.

– Alister Brown, Senior Client Portfolio Manager

Entdecken Sie weitere Strategien:

Invesco Pan European High Income Fund

UK- und europäische Aktien

Alle Anlagemärkte haben seit dem Iran-Konflikt mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. UK- und europäische Aktien bilden da keine Ausnahme. Diese unerwartete Entwicklung hat die positiven Aussichten für unsere Anlageklasse, die sich in letzter Zeit abgezeichnet hatten, infrage gestellt. Infolgedessen waren die Märkte sehr volatil und reagierten unmittelbar auf die neuesten Entwicklungen am Golf. Es ist schwer abzuschätzen, wie sich die Lage entwickeln wird: Deeskalation, eine weitere Eskalation (möglicherweise gefolgt von einer raschen Deeskalation) oder eine längere Phase der Ungewissheit. Wenn wir einen Schritt zurückgehen, fällt uns auf, wie bereit und willens die Märkte zu sein scheinen, jede positive Nachricht aufzunehmen. Dies hinterlässt bei uns den Eindruck, dass die Märkte kräftig zulegen könnten, wenn es zu einer Einigung zwischen dem Iran und den USA kommen sollen. Die Ereignisse am 8. April sind ein gutes Beispiel dafür. Nach der Ankündigung einer zweiwöchigen Feuerpause legten die stärker ausverkauften Märkte wie der MSCI Europe ex UK an diesem Tag um 5 % zu.

Das ist für uns von Bedeutung, da sich die Lage ständig ändern und mehr Volatilität nicht ausgeschlossen werden kann. Zugleich sind wir uns jedoch bewusst, wie schnell die Märkte auf positive Entwicklungen reagieren. Das bedeutet, dass wir die Gesamtstruktur unserer Portfolios nicht wesentlich verändert haben. Bereits vor Ausbruch der Krise waren wir in Öl- und Gasaktien angemessen engagiert (ein Sektor, in dem andere unserer Ansicht nach weniger stark vertreten sind als wir), was sich positiv auf unsere Wertentwicklung ausgewirkt hat. Es hat sich zudem als vorteilhaft erwiesen, dass wir im Sektor der Nicht-Basiskonsumgüter untergewichtet sind, da dieser wirklich zu kämpfen hatte. In unseren verschiedenen Fonds haben wir unser Engagement im Versorgungssektor, der sich gut entwickelt hat, leicht reduziert. Gleichzeitig haben wir unser Engagement in Aktien, die stark von der Krise betroffen waren, aber bei denen wir davon ausgehen, dass die mittel- bis langfristigen fundamentalen Aussichten weiterhin positiv sind, geringfügig ausgebaut.  Was neue Positionen betrifft, so gab es einige wenige Fälle, bei denen wir erneut der Ansicht sind, dass sich höhere Ölpreise oder ein Rezessionsrisiko auf den Aktienkurs insgesamt übermäßig negativ ausgewirkt haben, wodurch sich eine attraktive Bewertung ergibt und wir weiterhin Chancen auf höhere Renditen sehen.

Grundsätzlich versuchen wir als Team, flexibel auf die durch den Konflikt verursachte Marktvolatilität zu reagieren. 

Die Aussichten für europäische Aktien waren zu Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran so gut wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr, gestützt durch fiskalische Konjunkturmaßnahmen, die Monetarisierung von KI-Investitionen und eine starke Konsumnachfrage. Der UK-Aktienmarkt, der weitgehend international ausgerichtet ist, überzeugte durch seine im Vergleich niedrigen Bewertungen. Wir sind der Überzeugung, dass diese Märkte mittel- bis langfristig weiterhin gute relative Renditen erzielen könnten, und die durch den Konflikt bedingte Volatilität der Aktienkurse hat interessante Chancen eröffnet.

– Joel Copp-Barton, Senior Client Portfolio Manager

  • Risikohinweis

    Der Wert von Anlagen und die Erträge hieraus unterliegen Schwankungen. Dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein. Es ist möglich, dass Anleger bei der Rückgabe ihrer Anteile nicht den vollen investierten Betrag zurückerhalten.

    Wichtige Informationen

    Dies ist Marketingmaterial und kein Anlagerat. Es ist nicht als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Anlageklasse, eines Wertpapiers oder einer Strategie gedacht. Regulatorische Anforderungen, die die Unparteilichkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen verlangen, sind daher nicht anwendbar, ebenso wenig wie das Handelsverbot vor deren Veröffentlichung. Die Ansichten und Meinungen beruhen auf den aktuellen Marktbedingungen und können sich jederzeit ändern.

  • EMEA5520230/2026