Nach einem entscheidenden Jahr in der Weltpolitik teilen unsere Investmentexperten ihre Einschätzungen zu den Auswirkungen auf britische und europäische Aktien mit. Wir stellen sieben wichtige Einblicke in den Aktienmarkt vor.
1. Die Märkte passen sich an geopolitische Risiken an – versteifen sich aber nicht auf die ungünstigsten Szenarien
Zwar sind die geopolitischen Spannungen nach wie vor groß, insbesondere im Nahen Osten. Jedoch wird es immer deutlicher,
dass sich die Märkte offenbar stärker auf plausible Ergebnisse als auf Extremrisiken konzentrieren. Somit hat sich für Aktien ein konstruktiveres Umfeld als in den Phasen größter Unsicherheit zu Jahresbeginn ergeben.
Anstatt von einer reibungslosen oder raschen Lösung auszugehen, berücksichtigen Anleger die anhaltende Unsicherheit immer mehr und richten ihre Portfolios danach aus.
2. Die politische Unsicherheit in Großbritannien ist für die Märkte von Bedeutung, doch die Kreditdisziplin ist noch wichtiger
Die innenpolitische Lage in Großbritannien bleibt unruhig, wobei Führungsfragen und finanzpolitische Herausforderungen im Mittelpunkt stehen. Es herrscht jedoch weitgehende Einigkeit darüber, dass die Märkte eher auf die Höhe der Kreditaufnahme und die finanzpolitische Glaubwürdigkeit als auf Steueränderungen allein reagieren werden.
Angesichts der in der Vergangenheit durch ungedeckte Ausgabenpläne ausgelösten Marktvolatilität wird erwartet, dass künftige Regierungen angesichts des weiter zunehmenden Ausgabendrucks bei einer erheblichen Ausweitung der Kreditaufnahme Vorsicht walten lassen werden.
3. Portfoliopositionierung entfernt sich mehr vom britischen Markt
Vor diesem Hintergrund wurden die Aktienportfolios angepasst, um das Engagement in auf dem Inlandsmarkt empfindlichere Bereiche wie Teile des Konsumgüter-, Immobilien- und Wohnbausektors, zu reduzieren.
Die Manager hoben allerdings den internationalen Charakter des britischen Marktes hervor und nutzten ihn, um globale Wachstumschancen zu ergreifen und ihre Einnahmequellen über die heimische Wirtschaft hinaus zu diversifizieren.
4. Der finanzpolitische Kurswechsel in Europa, besonders in Deutschland, ist ein struktureller Wandel und keine kurzfristige Entwicklung
Ein Hauptthema der Diskussion war die Bedeutung der deutschen Bemühungen um eine stärkere fiskalische Unterstützung, insbesondere in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Klimainvestitionen.
Auch wenn die Umsetzung Zeit benötigt, ist ein wichtiges Thema, dass dies eine bedeutende Abkehr von der nach der Finanzkrise vorherrschenden Abhängigkeit von der Geldpolitik allein darstellt. Langfristig könnten sich dadurch die Wachstums- und Nachfrageaussichten für Teile des europäischen Aktienmarktes bessern.
5. Höhere Energiepreise, doch Europa ist besser als in früheren Krisen positioniert
Die gestiegenen Energiepreise stellen weiterhin eine Herausforderung dar, doch bei der Podiumsdiskussion wurde argumentiert, dass sich das derzeitige Umfeld deutlich vom Energieschock nach dem Einmarsch in die Ukraine unterscheidet. Eine stärkere Diversifikation der Energieversorgung, eine höhere Verfügbarkeit von Kernenergie sowie Investitionen in erneuerbare Energien haben die Anfälligkeit Europas verringert.
Innerhalb der Portfolios wurde das Engagement im Energiesektor gezielt ausgebaut – sowohl als Reaktion auf die Fundamentaldaten als auch zur Diversifikation in einem unsicheren Umfeld.
6. Einige Unternehmen werden indirekt vom KI-Einsatz begünstigt
Anstatt sich ausschließlich auf namhafte Technologieunternehmen zu konzentrieren, standen in der Diskussion Unternehmen im Mittelpunkt, die KI einsetzen, um bestehende Produkte zu verbessern, ihre Effizienz zu steigern und die Kundenbindung zu stärken.
In einigen Fällen hat die Schwäche der Aktienkurse Chancen eröffnet, bei denen die Fundamentaldaten der Unternehmen stärker erscheinen, als es die Markteinschätzung vermuten lässt, insbesondere dort, wo sich Wachstum und Margen trotz der jüngsten Volatilität verbessern.
7. Investmentansatz basiert auf Bewertungsdisziplin und Fokus auf Wandel
Wir sind davon überzeugt, dass eine konsequente Bewertungsdisziplin wichtig ist und dass in Unternehmen investiert werden sollte, die einen positiven Wandel durchlaufen. Unser Ziel ist es nicht, Modeerscheinungen zu folgen, sondern Unternehmen zu ermitteln, deren Renditen sich im Laufe der Zeit verbessern könnten, wobei diese Verbesserung in den Bewertungen noch nicht vollständig eingepreist ist.
Volatilität wurde zwar als unangenehm empfunden, aber auch stets als Chance für langfristig orientierte, researchbasierte Anleger dargestellt.
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